GRÜNE JUGEND SAAR für Gesellschaftsunterricht statt getrennten Religionsunterricht

Der Religionsunterricht in Deutschland und insbesondere im Saarland wird noch heute teilweise stark von den Kirchen mit beeinflusst. So haben sie beispielsweise heute noch ein erhebliches Mitspracherecht bei der Auswahl der Lehrkräfte. Dieses Mitspracherecht bei der Auswahl der Lehrer*innen gibt den Kirchen auch die Möglichkeit sie zu diskriminieren, in dem sie ihnen zum Beispiel aufgrund ihrer Sexualität oder der Tatsache, dass sie unverheiratet sind, das Ausüben des Lehrberufs verweigern. Das ist in einem modernen Land wie
Deutschland im Jahr 2018, nicht mehr zeitgemäß. Zudem werden Schüler*innen mit unterschiedlicher oder keiner Religionszugehörigkeit getrennt voneinander unterrichtet, was dazu führt, dass man übereinander, statt miteinander redet. Dies fördert die gesellschaftliche Spaltung und erschwert die Integration.

 

Daher wollen wir als Grüne Jugend Saar einen Vorschlag zur Reformierung des bisher nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht hin zu einem neu eingerichtetem Fach mit dem Namen „Gesellschaft und Werte“ machen. In diesem Fach sollen die Schüler*innen unabhängig von ihrer Religion gemeinsam unterrichtet werden. Dieser Unterricht sollte nicht nur Grundwissen über alle großen Religionslehren vermitteln, sondern den Schüler*innen auch philosophisches Denken nahe bringen. Zudem sollte auch Agnostizismus und Atheismus in größerem Umfang behandelt werden, genau wie die Gefahren von religiösem Fanatismus und Extremismus. Außerdem könnten auch kleinere Religionen in einem geringerem Maße angesprochen werden.

 

Im Mittelpunkt sollte bei dem Unterricht die unabhängige Auseinandersetzung mit Religion und Werten, sowie das generelle Hinterfragen von Strukturen und das kritische Denken stehen. Zudem sollten die Schüler*innen vor allem in der Grundschule zu Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen mit anderen weltanschaulichen aber auch politischen Ansichten erzogen werden. Um eine wirklich neutrale und unabhängige Sicht auf all diese wichtigen Themen zu vermitteln, dürfen die Kirchen kein Mitspracherecht mehr bei Lehrinhalten und der Auswahl der Lehrer*innen haben.

 

Bei den Lerninhalten und in der Betrachtung an den Schulen sollten zudem keine Religionen bevorzugt behandelt werden. Daher sollte auch das Veranstalten von Schulgottesdiensten, sowie das Aufhängen von Kruzifixen in Klassensäalen oder sonstigen schulischen Räumen an saarländischen Schulen nicht gestattet sein. Persönliche religiöse Symbole sollten aufgrund der Religionsfreiheit überall
respektiert werden, über die Bedeutung der Symbole sollte jedoch im Unterricht aufgeklärt werden. Nur so kann eine freie Entscheidung über den eigenen Glauben ermöglicht und einer einseitige Beeinflussung durch Lehrkräfte vorgebeugt werden.

 

Wir als Grüne Jugend Saar fordern:

einen einheitlichen Gesellschftsunterricht für alle Schüler*innen an saarländischen allgemeinbildenden Schulen, der folgende Lerninhalte berücksichtigen muss:

  • Werte
  • kritisches Hinterfragen
  • Philosophie
  • Wichtigste Inhalte der Weltreligionen
  • Warnung vor religiösen Extremist*innen und Sekten
  • Ansprechen von kleineren Religionen
  • Atheismus/Gotteskritik
  • Toleranz gegenüber Menschen mit anderen weltanschaulichen Ansichten
  • bei diesem Unterrichtsfach dürfen die Kirchen kein Mitspracherecht bei der
    Auswahl der Lehrkräfte und Lerninhalte haben
  • Verbot von religiösen Symbolen als Teil von schulischen Einrichtungen.

 

Dieser Antrag wurde beschlossen am 16.03.2018


 Schüler*innenmitbestimmung bei G8/G9-Debatte

Seitdem die Elterninitiative „G9 Jetzt! Saarland“ ein Volksbegehren für die Wiedereinführung von G9 (also 13 Schuljahren bis zum Abitur) gestartet hat, ist die Debatte wieder voll entbrannt. Bündnis 90/Die Grünen Saar haben sich in einer Resolution auf dem Landesparteitag vom 12. November 2017 der Forderung der Elterninitiative nach der Wiedereinführung von G9 an saarländischen Gymnasien angeschlossen und wollen die neu entstehenden G9-Gymnasien parallel zu G8-Gymnasien betreiben.

 

Wir als GRÜNE JUGEND SAAR halten diese Debatte und die Resolution von Bündnis90/Die Grünen Saar für nicht zielführend. Durch neue G9-Gymnasien neben G8-Gymnasien und Gemeinschaftsschulen wird das saarländische Schulangebot weiter zerfasert, es erfolgt eine weitere Differenzierung im oberen Leistungsbereich.

 

Wir brauchen einen Prozess, der Schüler*innen wirklich etwas bringt und sie in die Debatte miteinbezieht. Dafür reicht es nicht, Menschen zur Teilnahme an einem Volksbegehren aufzurufen, an dem sowieso nur volljährige Personen teilnehmen dürfen. Schüler*innen müssen dazu befragt werden, was sie sich von einer guten Schule erhoffen.

 

An Bildung darf nicht gespart werden. Ob G8 oder G9 spielt da keine Rolle. Das Ziel der Elterninitiative „G9 Jetzt! Saarland“, die Umstellung von G8 auf G9 ohne zusätzlich anfallende Kosten zu bewerkstelligen, lehnen wir deswegen striktab.

 

Wir fordern die Landesregierung deshalb auf, nicht einseitig auf das Drängen einer Elterninitiative zu reagieren, sondern das gesamte System in den Blick zu nehmen. Die Landesregierung muss Schwachstellen analysieren und Entscheidungen treffen, die das gesamte System entlasten. Dabei sollen Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern miteinbezogen werden. Ein mögliches Ergebnis könnte G9 an Gymnasien sein, muss es aber nicht!

 

Dieser Antrag wurde beschlossen am 09.12.2017.


Stärkung des sozialen Miteinanders an Schulen

Die schulischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern aller Schulformen sind hoch. Lehrpläne mit vielen Unterrichtsinhalten müssen in kurzer Zeit erfüllt werden. Dadurch ist kaum mehr Zeit vorhanden, um sich mit Lehrer*innen über soziale Probleme auszutauschen und diese gemeinsam lösen zu können. Und gerade das ist dringend nötig. Die soziale Kälte unter den Schülerinnen und Schülern scheint zuzunehmen, Ausgrenzung und Mobbing sind in vielen Klassen an der Tagesordnung. Die Klassenleiterstunde an Gemeinschaftsschulen und die Zusatzstunde für das Fach der/des Klassenlehrer*in*s an Gymnasien (nur in der Klassenstufe 5), die für solche Anliegen genutzt werden können, reichen dafür bei weitem nicht aus.

 

Schulworker*innen sind in allen Schulen des Saarlandes eingesetzt, mit der Aufgabe sich dem sozialen Miteinander anzunehmen. Im Landkreis Merzig-Wadern sind es aber gerade einmal 8 Schoolworker*innenstellen für alle Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, Gymnasien und Förderschulen, deren Stunden unterschiedlich auf die Schulen aufgeteilt sind. Eindeutig zu wenig, um
soziale Kompetenzen dauerhaft aufzubauen und zu festigen.

 

Deshalb fordern wir das soziale Miteinander in Schulen zu stärken durch mehr Klassenleiter*innenstunden und die Erhöhung der Einsatzstunden von Schoolworker*innen an allen Schulformen.

 

Dieser Antrag wurde beschlossen am 09.12.2017.