Patriarchat? Nein danke!

 

Im Rahmen der Debatte um den #metoo melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die übergriffiges und sexistisches Verhalten anprangern. Doch die abwertenden Reaktionen darauf sind gewaltig. Frauen wird vorgeworfen, es doch selber „gewollt zu haben“ und sich für die eigene Karriere „nach oben geschlafen“ zu haben. Auch der Vorwurf einer „Hexenjagd“ steht im Raum. Gewalt gegen Frauen wird immer noch verharmlost, Frauen wird immer noch die Schuld daran gegeben, dass ihnen Unrecht angetan wird. Frauen, die sich gegen sexistisches Verhalten und Übergriffe wehren, werden systematisch verunglimpft. Das zeigt deutlich: Wir sind noch nicht am Ende unseres Kampfes gegen das Patriarchat! Wir stellen uns entschieden frauenverachtender Hetze entgegen und sind solidarisch mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt.

 

Es gab in den letzten Monaten aber auch sehr positive gesellschaftliche Entwicklungen. Im Rahmen um den Prozess gegen die Frauenärztin Christina Hänel wurde das Thema Abtreibung wieder in den Fokus gesetzt. Sie wurde von sogenannten Lebensschützer*innen angeklagt, weil sie auf ihrer Website über Schwangerschaftsabbrüche informierte und Betroffenen ihre medizinische Hilfe anbot. Ein Gericht wertete dies als Verstoß gegen den §219a StGB, der „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Dieser Paragraph führt de facto dazu, dass Menschen, die eh schon in einer psychischen Ausnahmesituation sind, sich nicht im Internet über Abtreibungen medizinisch sachlich und richtig informieren können. Ärzt*innen, die wichtige Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen mitteilen könnten, wird der Mund verboten, Schwangere müssen sich über dubiose Internetforen oder den Seiten der „Lebensschützer*innen“ Informationen suchen.

 

Es formierte sich ein breites Unterstützer*innenbündnis für Christina Hänel, das mittlerweile über 150.000 Unterschriften gesammelt hat, damit Menschen, die abtreiben wollen, endlich an die Informationen kommen, die sie benötigen, um eine Entscheidung zu treffen. Die freie Arztwahl ist für Schwangere, die abtreiben wollen, nur dann möglich, wenn sie wissen, welche Ärzt*innen Abtreibungen durchführen. Für uns ist klar: Informationsrecht ist Menschenrecht. Es darf nicht sein, dass Menschen wegen angeblicher Werbung das Recht auf Informationen in einer so schwierigen Situation verwehrt wird. Deswegen fordern wir die sofortige Abschaffung des Paragraphen 219a StGB.